Altweibersommer
Es ist schön, nach dem astronomischen Herbstanfang am 22. bzw. 23 September noch ein paar Tage mehr warmes und strahlendes Wetter genießen zu können. Altweibersommer.
Hier zeigt sich der Herbst von einer seiner traumhaftesten Seiten, wenn die Frühherbstlandschaft aus leicht rauschenden, sich verfärbenden Blättern sich in den Sommer transportiert zu haben scheint. Unter einem strahlend schönen, intensiv azurblauen, von nur ein paar wenigen verwischten Wolkenstreifen angehauchten Himmel präsentiert sich dann ein wunderschönes Panorama, das in allen Farben eines Freudenfeuers leuchtet und schimmert. Es duftet wohl schon nach Herbstlaub, nach abgeernteten Felder, nach Erde - schließt man die Augen jedoch, könnte man sich wähnen, von einer sanften Brise und von den zaghaft warmen Sonnenstrahlen eines kühlen Spätsommertages umspielt zu werden, eine bezaubernde sommerlichen Haptik umgibt einen – Spätsommerstimmung halt, mit einer pikant herbstlichen Note. In der sanft goldenen Lichterflut merkt man erst beim zweiten Blick, dass die Sonne, die sich auf dem Weg zu ihrem Winterquartier befindet, schon niedriger steht als sonst, auch dass sie nicht mehr so sehr blendet, da ihre sommerliche Kraft entwichen ist. Manchmal kann man sogar die von Dunst leicht verschleierte Sonnenscheibe über den leuchtenden Baumkronen erkennen. Der tanzende Glanz der Sonnenstrahlen, die schräg durch das leicht rauschende gelb/rot/orangenfarbene Laub fällt, scheint geisterhafte Schmetterlinge und Blütenblätter aus Licht auf die Erde vor unsere Füße zu streuen. Ab Mittag ist das Licht und die Stimmung wie die eines Hochsommertages, spätnachmittags, noch lange vor dem Sonnenuntergang, ab 19h; leicht elegisch. Das Sonnenlicht hat dann einen bezaubernd rotgoldenen Stich angenommen, den man nur im Altweibersommer in unseren Breiten erlebt.
Die sinnträchtige Bezeichnung ‚Altweibersommer‘ für den Nachsommer zwischen September und Oktober leitet sich tatsächlich von den feinen Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen sich im Frühherbst vom Herbstwind davontragen lassen. Dieses filigrane Naturschauspiel schwebender Feengarn erinnerte die Leute an die am Spinnrad sitzenden alten Weiber. In der Tat bedeutet ‚weiben‘ im Altdeutschen ‚das Knupfen von Spinnweben‘. Im deutschen Volksglauben wurden diese schwebenden Spinnweben unterschiedlich für Gespinste von den Nornen, von Elfen, Zwergen und sogar von der Jungfrau Maria gehalten. Diese nennt man dann auch ‚Marienhaar‘, ‚Marienfäden‘, ‚Marienseide‘ oder ‚Mariengarn‘.
Gehen Sie am nächsten Altweibersommertag hinaus ins Grüne und genießen Sie dieses kaleidoskopische Fest der natürlichen Schönheit!

Am 21. Oktober 2008 um 15:59 Uhr
[…] nur noch ein brauner Blätterteppich. Und dann bleibt uns nur noch, auf den nächsten Herbst zu […]