Channeling
Wie allgemein bekannt, ist ein Medium ein Mensch, der die Gabe besitz, Kontakt mit dem jenseits aufzunehmen, und so die Kommunikation zwischen der irdischen Welt und den Geistwesen, sei es mit den Seelen der Verstorbenen oder mit anderen höheren Wesen wie Engeln, Dämonen oder sogar Gottheiten, herzustellen. Ein Medium dient auf dieser Weise als Sprachrohr von Geistern, die Offenbarungen, Ratschläge oder okkultes Wissen an die Lebenden vermitteln möchten. Andersherum können Medien ebenso Mitteilungen von den Lebenden an die Wesenheiten der Geisterwelt kommunizieren.
Im Prinzip fungiert ein Medium als ‚Kanal‘ durch den eine solche Kommunikation fließen kann. Medien können sich mit Geistern und höheren Wesen unterhalten, sei es in einer eher alltäglichen Manier bei vollem Bewusstsein oder in einem veränderten Bewusstseinszustand (z.B. Trance od. Ekstase) versetzt, wobei bei letzteren ihm der Inhalt der Kommunikation meistens verborgen bleibt, da das Medium als ‚Sprachrohr‘ die Mitteilung nur unbewusst weiterleitet. Medien können auch imstande sein, den Geistern ihren Körper temporär zur Verfügung zu stellen. Die Geister fahren in das Medium und benutzen den Körper um den Prozess der Verständigung zu bewerkstelligen. So spricht ein Medium mit fremden Stimmen oder schreibt od. malt die Botschaften aus der Geisterwelt, meistens im veränderten Bewusstseinszustand, nieder.
Mediale Fähigkeiten werden, so lange es die Menschheit gibt, eingesetzt. Aus dem primitiven religiös-magischen Wurzeln des Schamanismus entstand der moderne Spiritualismus. Aus dem Schamanen, der sich mittels Trance oder Ekstase in jenseitige Welten begibt, um dort Geister, Ahnen usw. um Hilfe zu bitten, entwickelte sich im Laufe der Jahrtausenden das zeitgenössische Medium, der womöglich die Verkündung seiner okkulten Botschaften aus der Geisterwelt ‚live‘ vor Fernsehpublikum vollzieht.
In einigen Kulturen bringen Medien (früher – und heute noch auch mancherorts in gewissen Kulturkreisen – Schamane) bzw. die Geisterwesen die in diese fahren, paranormale Phänomene zustande, wie z.B. die Bewegung von Objekten durch Telekinese oder die Levitation.
Im Rahmen der ‚New Age‘ Bewegung entwickelte sich Channeling (aus dem engl. Wort ‚channel‘ – ‚Kanal‘– hergeleitet) als eine moderne Form od. Auffassung der Kontaktaufnahme mit jenseitigen bzw. höheren Wesenheiten. Anders als bei den ‚klassischen‘ spiritistischen Zirkeln, wo es in erster Linie um Kommunikation mit den Seelen verstorbener Verwandter oder Bekannter geht, sucht man durch ‚Channeling‘ den Kontakt zu ‚höheren Ratgebern‘ wie zu Engeln oder zu ‚Erleuchteten Meistern‘ wie Leonardo, Goethe oder Gandhi, um Rat oder okkultes Wissen zu erlangen.
Eine wichtige, schillernde Figur in der Geschichte von Channeling ist Edgar Cayce (geb. 1877, ges. 1945), das berühmte US-amerikanische Medium. Liegend versetzte er sich selbst in Trancezustand und gab Antwort zu Fragen über allgemeingültige Themen wie z.B. Astrologie, Reinkarnation, Atlantis sowie die Gesundheit, das Leben und Karma von einzelnen Ratsuchenden, die sich mit ihm im selben Raum befanden. Diese Tätigkeit wird heutzutage gebräuchlich als Channeling bezeichnet. Cayce wollte mit seinen durch Channeling ermittelte Antworten nach eigener Aussage an erster Stelle den Ratsuchenden helfen, ein „besseres Leben“ zu führen. So wurde schon zu Lebzeiten der Hellsichtige (siehe mein Blog über ‚Hellsehen‘ für Einzelheiten über ‚Hellsichtigkeit‘) als Prophet, Mystiker und Seher bezeichnet. Er selber betrachtete sich als psychic diagnostician (sinngemäß: ‚parapsychologischer Diagnostiker‘), der Botschaften von einer höheren Ebene ‚channelte‘ – sprich im veränderten Bewusstseinszustand von höheren Wesen erhielt und an die irdische Welt weitergab. Cayce gab an, sich nach einer solchen Trancesitzung nicht mehr an das erinnern zu können, was er gesagt habe, da er die Informationen über das Unbewusste erhalte und dass diese im bewussten Zustand ihm folglich nicht mehr zugänglich sei. In seiner illustren karriere begab sich Cayce innerhalb von 43 Jahren zwischen 1901 und 1944 schätzungsweise rund 25.000 bis 30.000 mal in Trance. Seine Botschaften aus dem Jenseits, die er als Antwort zu Fragen von ratsuchenden gab, nannte er readings (Lesungen). Erst ab 1923 jedoch wurden die Antworten aufgezeichnet. Immerhin sind rund 14.000 Readings verfügbar. Seine Publikationen in englischer Sprache, die 300 Bände über seine Philosophie und durch Channeling erhaltene Prophezeiungen und Readings präsentieren, umfassen, haben einen starken Einfluss nicht nur auf den Spiritualismus, sondern auch auf die New Age Bewegung ausgeübt. Die Gründung und Entwicklung der New Age Bewegung verdankt vieles seinem Lebenswerk, wie manche gerechtfertigt behaupten. Ferner studieren heutzutage Zehntausende Cayce und dessen Werke, von denen die meisten in den USA und Kanada ausfindig zu machen sind. Es gibt aber mittlerweile Edgar Cayce Zentren in 25 Ländern die seine Publikationen präsentieren. Gegen sein Lebensende wurde Cayce zum Prominenten. Zu seinem Leidwesen aber überschattete der Ruhm seiner Prophezeiungen die anderen Aspekte seines Lebenswerkes, wie zum Beispiel, die Heilung, die er Ratsuchenden durch seine Readings anbot, und seine Theologie, die er für viel wichtiger hielt.
Als weiteres herausragendes Beispiel von Channeling ist der Fall Rosemary Brown (geb. 1917, ges. 2001) durch die 12 große Musiker (Bach, Beethoven, Chopin, Liszt, Berlioz usw.) über 400 post mortem komponierte Musikstücke der Nachwelt vermittelt haben. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Mrs. Brown nur geringe musikalische Ausbildung genoss, die logischerweise die Möglichkeit ausschließt, dass die hochanspruchsvollen Kompositionen die aus ihrem Unterbewusstsein herausflossen ihre eigene sein könnten. Sie zeichnete diese Kompositionen und andere Botschaften aus dem Jenseits (auch Formeln und literarische Texte von Einstein, George Bernard Shaw und anderen toten Berühmtheiten, die diese Dame schreiben und sogar malen ließen) zum Teil vor laufenden Fernsehkameras auf. Laut Urteil einiger Kritiker klingt die Musik der im Trancezustand niedergeschriebenen Klavierstücke authentisch und durchaus dem Stil des jeweiligen Komponisten entsprechend. Dies führte zu Aufnahmen und Veröffentlichung zweier Langspielplatten bei dem großen und renommierten Klassik-Label Philips (Universal). Noch eine weitere interessante Tatsache; Da Mrs. Brown tatsächlich nicht imstande war, diese Klavierstücke, die aus ihrer automatisch schreibenden Feder stammten, selber aufzuführen, wurden professionelle Musiker notwendigerweise für die Schallplattenaufnahmen engagiert.
Im deutschsprachigen Raum fand Channeling erst seit der Veröffentlichung des Werks „Seth-Material” Anfang der 1980er Jahre den Anklang, der bis zum heutigen Tag stets gewachsen ist und noch weiter wächst. „Seth-Material” handelt sich um umfängliche, durch Medium Jane Roberts (ges. 1984) im veränderten Bewusstseinszustand niedergeschriebene Botschaften von einem höheren jenseitigen Wesen, das sich Seth nannte. Diese Sammlung metaphysischer Texte wurde zugleich dass einflussreichste ‚gechannelte‘ Werk nach dem zweiten Weltkrieg und Eckstein der Philosophie hinter der ‚New Age‘ Bewegung. Die Seth Bücher waren daran maßgeblich beteiligt, Channeling einem breiten Massenpublikum nahe zu bringen. An Einfluss übertrafen sie sogar die noch umfangreichere Aufzeichnungen von Edgar Cayce.
Seitdem wurden in Deutschland immer neue Bücher mit gechannelten Botschaften bekannter und unbekannter Geistwesen veröffentlicht, die Ermahnungen, Belehrungen und Warnungen, beispielsweise im Hinblick auf Krieg oder Naturkatastrophen, aussprechen. Mittlerweile beziehen sich die Aussagen ‚live‘ in Rundfunk und Fernsehen auftretenden Channelingmedien auf persönliche Fragen und Probleme des einzelnen Ratsuchenden. Channeling versteht sich mittlerweile ausdrücklich als spirituell-psychologische Hilfestellung – Edgar Cayces ursprüngliche Auffassung und Beweggrund für Channeling.

Am 25. Februar 2011 um 16:17 Uhr
Wie kann es sein,daß Rosemary Brown Musik aus dem Jenseits von Chopin medial empfing, wenn zur gleichen Zeit seine Seele inkarniert war?