Chanson

In den letzten Wochen haben meine Kollegen in diesem Blog über verschiedene Casting Shows berichtet. Wie ich es schon mal erwähnt habe, ist es nicht mein Ding - vor allem die Musikrichtung läßt mich absolut kalt. Ich bin musikalisch gesehen eher in der Kategorie Reggae, Ska, good old rock & punk aber auch französische Chansons zu Hause :-)

Heute möchte ich hier kurz erklären, was man unter französisches Chanson versteht. Dass Frankreich (wie zum Beispiel Italien auch) musikalisch auch seine Eigenart hat, ist bekannt, aber viele deutschen Bundesbürger denken, Chansons sind nur mannifaltige Variationen auf ein einziges Thema: L’amour. Das stimmt aber nicht ganz, auch wenn dieses Thema viel besungen wird.

Das Wort “chanson” kommt vom Verb “chanter” (dt. singen) und somit ist das Hauptmerkmal eines Chansons schon gegeben. In einem Chanson spielt die Stimme des Sängers (und der Text) die Hauptrolle. Nebensache ist die musikalische Begleitung, die von einem einzigen Instrument (Klavier, Gitarre, Ziehharmonika, etc.) bis zu einem ganzen Orchester reichen kann. Sie bleibt aber Nebensache! Wenn es keine musikalische Begleitung gibt, spricht man von “a capella”.

Der Ursprung des Chansons liegt im Mittelalter, als Sänger durchs Land zogen, um Nachrichten von Dorf zu Dorf singend zu vermitteln. Im späten Mittelalter kam es immer mehr zu Chansons mit Unterhaltungscharakter, die im Gegensatz zu den religiösen Chansons rhythmisch lebendig und schnell waren. Grund dafür ist, dass die Zuhörer dazu animiert werden sollten zu tanzen.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat das Chanson in Frankreich die Funktion des Nachrichten-Vermittlers innegehabt. So entstanden viele politischen Chansons, darunter 1792 ein sehr berühmtes: Die Marseillaise (heute die Nationalhymne Frankreichs).
Im 20. Jahrhundert hat sich das Chanson in zwei Kategorien unterteilt. Die eine ist eine unbekümmerte Unterhaltung, die andere ist das sog. “chanson à texte”, bei dem der Inhalt des Textes sehr wichtig ist - die behandelten Themen sind vor allem politisch und sozialkritisch.

Heute spielt das Chanson eine sehr bedeutsame Rolle in Frankreich, indem dieses Genre sich in den letzten Jahren noch weiterentwickelt hat und verschiedene Musikrichtungen gerne vermischt - vom Rock zur Rai - oder alte, manchmal fast vergessene Genres wieder belebt und an der Geist der Zeit anpaßt.

Im Jahr 2007 lebt das Chanson weiterhin durch viele TV-Sendungen (”taratata”) oder Festivals “Francofolies de la Rochelle”, “Printemps de Bourges”). Nicht zu vergessen ist dabei auch die französische Casting Show “La Star Académie” (das frz. Pendant zu “DSDS” oder “Popstar”), wo die Kandidaten eher französisch als Englisch singen. Frankreich halt…

Für diejenigen, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, bleibt leider das Genre des Chansons verschlossen, denn wie anfangs gesagt, kann man sich auf die musikalische Begleitung nicht unbedingt sehr freuen! Eine kleine Bemerkung von mir: das kann man auch oft bei englischsprachigen Songs auch nicht :-)
Die meistens Chansonniers gehen natürlich auf “Tournée” und auch weltweit… in französischsprachigen Ländern bien sûr! :-)
So war ich absolut nicht überrascht, z.B. in westafrikanischen Hauptstädten Plakate eines Chansonniers zu sehen, der bald dort auftreten wollte - nur das afrikanische Publikum tickt anders… aber das könnte das Thema eines künftigen Beitrags werden!

2 Reaktionen zu “Chanson”

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