Der Weg ist das Ziel
Am letzten Samstag habe ich dieses geflügelte Wort, das Konfuzius zugeschrieben wird, in der Tat umgesetzt. Ich war nämlich auf eine Entdeckungsreise durch die Metropole Duismülsen.
Noch nie von Duismülsen gehört? Ehrlich gesagt, ich wußte bis vor kurzem auch nichts darüber. Duismülsen ist ein Wortkonstrukt aus Duisburg, Mülheim und Essen - also den drei Großstädten im Westen des Ruhrgebietes.
Organisiert wurde diese Reise von Schauspiel Essen, Ringlokschuppen Mülheim und Duisburger Akzenten, die die Teilnehmer mit der U-Bahn U18 von Essen Berlinerplatz zum Mülheim Hbf entlang der berühmten A40 führten. Anschließend ging die Reise weiter mit einem Schuttlebus bis zum Duisburger Zoo.
Anlaß für diese Veranstaltung war das 30-jährige Jubiläum des Essener Hbf, dieses gigantischen Verkehrsknotenpunktes zwischen Bahn, U-Bahn und Autobahn. Vor 30 Jahren gab es die Idee (die Utopie?), die o.g. Städte zu einer einzigen Metropol zu fusionieren - dabei sollten einerseits die U18, andererseits die A40 die zentralen Verkehrsverbindungen werden. Die Autobahn geht heute quer durchs Ruhrpott, die U18 hat’s nur bis Mülheim geschafft. Der letzte Abschnitt, zwischen Mülheim und Duisburg, ist nie fertig gestellt.
Diese Utopie 18, so der “Untertitel” dieser Entdeckungsreise, führte uns zunächst durch eine Wohnung direkt an der A 40 am Essener Savignyplatz (so bekam ich einen Eindruck, wie es ist, wenn sich 4 Meter vor dem Küchenfenster die Fahrbahnen der A40 entstrecken!), dann ging’s weiter bis zum Rhein-Ruhr-Zentrum (dem riesigen Einkaufszentrum zwischen Essen und Mülheim - angedacht als Verbindungsglied zwischen beiden Städten! Auch hier Utopie satt…). Von dort aus machten wir uns auf einen 50-minütigen Fußmarsch durch Gärten, Wiesen (Anfang des 20. Jahrhunderts für die Gastarbeiter aus Polen angelegt, damit sie sich wie zu Hause fühlten!) und den Mülheimer Stadtteil Heimatserde (hier war keine Beton- oder Stahlspur zu sehen). Um so krasser war dann die Rückkehr in die Zivilisation, als wir die U-Haltestelle Eichbaum betraten!!! Heruntergekommen ist noch ein zu mildes Wort, um den Zustand dieser Haltestelle zu beschreiben. Auch die riesige Blase, in der Musik gespielt wurde, konnte den ghetto-like Eindruck nicht mildern. Später wurden wir durch den “hübschen” Mülheimer Hbf bzw. Forum (Einkaufpassage) geführt… am nördlichsten Aldi-Süd der Republik vorbeigehuscht… und ab mit dem Schuttlebus nach Duisburg. Am Ziel der Reise wartete auf uns vor einem Wohnwagen einen langen Tisch mit Köpi und Duisburger Ambiente. Ehrlich! :-)
Auf dieser 4-stündigen Reise durchs Westruhrgebiet habe ich so viele neue Eindrücke und Informationen bekommen, dass ich heute den “Pott” mit anderen Augen sehe. Nicht nur Bergbau (hier empfehle ich einen Besuch beim Essener Zollverein), sondern auch den Wunsch, etwas auf die Beine zu stellen, egal wie schwierig es sich gestaltet. Duismülsen bleibt heute noch eine halbvergessene Utopie aber wer weiß, was die Zukunft bringt?

Am 20. August 2007 um 13:32 Uhr
[…] es vieles zu entdecken, und zwar direkt vor der eigenen Tür: Wunderschöne Naturecken (auch im Ruhrgebiet!), idyllische Dörfer, Sehenswürdigkeiten aller Art wie Kirchen, Schlösser, Altstädte mit […]