Die Duplizität der Ereignisse
Nachdem der Umzug in meine neue Wohnung schon wieder einige Zeit zurückliegt, habe ich mein altes Holland-Fahrrad hervorgekramt und fahrtüchtig gemacht. Am erstbesten, schönen Wochenende wollte ich das Radfahren sofort ausprobieren. In der Innenstadt mit dem Rad zu fahren erschien mir bisher sehr riskant, aber jetzt, da ich in einer verkehrsberuhigten Straße wohne, wollte ich es auf jeden Fall wieder wagen!
Die ersten Versuche klappten auch ganz gut! Ich radelte die Straße hoch und runter und freute mich sehr darüber, wieder in Bewegung zu sein. Auch meine Einkäufe erledigte ich mit dem Rad, überall an den Geschäften sind schließlich Fahrradständer angebracht, wo man problemlos sein Rad parken kann. Ich hatte noch ein zusätzliches Schloss aufgehoben, denn auch alte Fahrräder werden manchmal geklaut. Dies ist meiner neuen Nachbarin neulich passiert, obwohl ihr Rad gut zwanzig Jahre „auf dem Buckel“ hatte.
Vergangenen Samstag wollte ich mit dem Rad zum Bio-Markt fahren um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Ich musste mich zunächst irgendwo unterstellen, weil gerade ein heftiger Regen auf die Erde hinunter prasselte. Als dies vorbei war, setzte ich mich wieder aufs Rad und fuhr Richtung Markt. Kurz vor dem Markt musste ich nach links in eine Straße einbiegen. Ich achtete darauf, die Straßenbahnschienen zu meiden, aber leider war es da schon zu spät: ich war ins Rutschen gekommen und landete mit dem Allerwertesten unsanft auf dem nassen Kopfsteinpflaster! Außer ein paar Schrammen und blaue Flecken ist zum Glück nichts weiter passiert, nur mein Fahrrad hat jetzt eine leichte Seitenlage, aber das kriegt mein Freund wieder hin, meint er!
Groß war mein Erstaunen, als mir meine Mutter am nächsten morgen telefonisch darüber erzählte, dass auch mein Vater in Spanien sich mit dem neuen Motorrad hingelegt hat: ungefähr zur gleichen Zeit, als ich auf den Straßenbahnschienen ausrutschte, ist er in ein Auto gefahren, das gerade die Parklücke verlassen wollte. Auch hier sind keine Personen zu Schaden gekommen. Obwohl zwischen meinem Vater und mir mehrere tausend Kilometer liegen, imitieren wir unbewusst unser Handeln. Ich bin mir sicher, dass ein gelernter (Para-)Psychologe aus diesen Informationen eine Menge über meinen Vater und mich herauslesen kann!
