Die Kabbala – Die Talmudische Periode

Das letzte Mal habe ich versucht, eine kleine Einführung in die Kabbala zu schreiben und anschließend die geschichtlichen Wurzeln der Kabbala zusammenzufassen. Als Fazit bleiben sicherlich die Komplexität und der große Umfang der Kabbala, die mit der Geschichte eng verbunden ist.
Als Definitionsversuch könnte man laienhaft sagen: Die Kabbala ist die Methode, durch die der Mensch das göttliche Wissen empfangen hat und diese von Generation zu Generation weitergibt (Überlieferung), damit er die Welt Gottes erkennt, um schließlich zu spiritueller Erhöhung zu gelangt. Nicht zu vergessen ist, dass die Kabbala auch eine Hilfe ist, sich selbst zu erkennen! Darüber hinaus habe ich die anfänglichen Schritte der Kabbala kurz angeschnitten: Insbesondere beide Geheimlehren, die als Säule der Kabbala fungieren.

Wie versprochen führen wir heute unsere Reise durch die Geschichte und die Entwicklung der Kabbala fort und gelangen in der Talmudischen Periode, in der bedeutende Klassiker der Kabbala geschrieben wurden.

Shi’ur Qomar:
Die jüdische Mystik ist in Palästina geboren und entwickelte sich parallel zur esoterischen Religion weiter. Damals waren Meditationstechniken wohl bekannt und geübt. Zeugen jener Zeit sind anonymen oder unter Pseudonymen verfasste Schriften, die ein zentrales Thema behandeln: Der Thronwagen Gottes, d.h. die göttliche Ehre und die hierarchische Anordnung der Engeln. Literarisch betrachtet ähneln diese Schriften die der Apokalypse und beschreiben die Vision der Seele während ihrer Reise durch den Himmel. Der berühmteste Text aus dieser Periode heißt „Shi’ur Qomar“ (Die Massen des Körpers) und beschreibt das Bild Gottes während der Theophanie. Diese Massen sind einerseits durch ihre überdimensionalen Werte der symbolische Ausdruck der Unendlichkeit Gottes, andererseits bilden sie einen numerischen Komplex.

Hekhalot Rabatai:
Das Zentrum des esoterischen Bildungswesens verlagert sich von Palästina nach Babylon aber die Themen bleiben unverändert. Als zentrales Thema bleibt der Thronwagen Gottes, die Merkaba. Nur die Sprache ändert sich: Statt der Reise im Himmel spricht man vom Abstieg zur Merkaba. In bekannten Text „Hekhalot Rabatai“ (Die größeren Kammern) werden zahlreiche himmlische Paläste beschrieben. Im siebten Palast befindet sich der Thronwagen. Natürlich gilt auch hier, das Göttliche besser zu kennen und verstehen, um sich selbst zu erkennen.

Sefer Jezira:
Es folgte ein weiteres Buch namens Sefer Jezira (Buch der Schöpfung), in dem die 10 Urziffer – die sog. Sephiroth – zum ersten Mal beschrieben werden. Vor allem in ihrem Zusammenspiel mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Ziel dieser Abhandlung ist es, den weisen Weg zur Erkenntnis der Schöpfung zu zeigen. Die hier beschriebene Methode ist aber höher als diejenige, die im vorherigen „Hekhalot“ beschrieben wurde. Leider sind die heute vorhandenen Hinweise, wie man höhere Ebenen erreicht, unvollständig.
Am Ende der Talmudischen Periode waren diese Methoden nur in elitären, kleinen Kreisen der Bevölkerung bekannt. Es waren Geheimgesellschaften, die ihr Wissen nach außen nicht preisgaben.

Kurzum könnte man sagen: Die Kabbala möchte keine eindeutige Definition über das Göttliche bzw. über den Weg zur Selbsterkenntnis geben. Vielmehr bittet sie durch ihre Klassiker Wege, Möglichkeiten, dorthin zu gelangen. In der Talmudischen Zeit ist, wie vorhin erwähnt, das Konzept der Sephiroth entstanden, die heute noch in der Esoterik eine große Bedeutung haben. Aber darauf komme ich später noch zurück. Das nächste Mal reisen wir durchs Mittelalter, um schließlich wieder in die heutige Welt zurück zu gelangen.

Eine Reaktion zu “Die Kabbala – Die Talmudische Periode”

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