Die Kabbala – Mittelalter bis heute

Nach der Talmunischen Periode geriet die Kabbala in eine Zeit des Schweigens. Sicherlich hat es damit zu tun, dass sie nur in kleinen, geschlossenen Geheimgesellschaften bekannt und weiter erlebt wird. Sie bleibt der allgemeinen Bevölkerung unerreichbar.
Im Mittelalter aber dreht sich das Spiel: Die Kabbala ist nun in Europa angelangt. Hier sind zwei weitere Klassiker der Kabbala zu erwähnen:

Sefer ha-Bahir, oder Bahir
Erst im 12. Jahrhundert entfachen die esoterischen Spekulationen, nach langer Zeit des Schweigens, erneut, diesmal in Europa. 1174 wird das Buch Sefer ha-Bahir (Buch der Klarheit) in der Provence veröffentlicht. Es besteht aus zahlreichen Stücken aus verschiedenen Epochen und Quellen, sowohl aus dem Orient des 1. Jahrhunderts als auch aus europäischen Quellen zur Zeit der Veröffentlichung. Vermutlich wurde die Entstehung des Bahir von den o.g. Gesellschaften lange Zeit geheim gehalten. Seine Veröffentlichung hatte zur Folge, dass man sich wieder stark für das Studium der Mysterien interessierte. Das Bahir liefert eine gnostische Konzeption des Universums.
Die Spekulationen des Bahirs erreichten schnell das Rheinland und die Pfalz, insbesondere die dort ansässigen Bewegungen des Chassidismus. Die südfranzösischen Zentren Narbonnes, Béziers, Montpellier und das katalonische Zentrum von Barcelona kannten folglich eine kulturelle Blütezeit. Eine neue Betrachtung entstand: Die Sephiroth werden immer stärker eingebunden.

Sefer ha-Zohar, oder Zohar
In den Jahren 1260 bis 1280 entsteht das grundlegende Werk der spanischen Kabbala, das Sefer ha-Zohar (Buch des Glanzes). Das Buch zeichnet eine Rückkehr zum mythologischen Ursprung der Kabbala. Die Spekulationen fokussieren auf das Thema des Bösen, dessen Wurzeln in der göttlichen Welt verankert sind.

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien Ende des 15. Jahrhunderts und die Errichtung eines Zentrums in Safed (Galiläa) spaltete sich die Kabbala in zwei Systeme. Einerseits Die Kabbala des Jakob Cordovera und die Kabbala des Isaak Luria. Die erste Kabbala ist eine theoretische, die zweite eine praktische, meditative Mystik.
Nachdem verschiedene Strömungen aus der luriatischen Kabbala entstanden sind – viele davon waren sehr radikal – nahm in Osteuropa, insbesondere in Polen, der Chassidismus einen immer größeren Einfluss. Diese Bewegung hat aber nichts Gemeinsames mit ihrem Vorgänger aus dem rheinisch-pfälzischen Mittelalter. Hier wird der reine Glaube bevorzugt statt der geistigen Spekulation. Heutzutage ist diese Bewegung sehr verbreitet, vor allem in den Vereinigten Staaten oder in Israel – nach dem Fall der Zentren in Osteuropa.

Nun ist die geschichtliche Reise der Kabbala zu Ende.
Die Kabbala ist heutzutage noch sehr lebendig – nicht nur in jüdischen Kreisen – insbesondere in der modernen Esoterik. Aus der Kabbala stammt der zentrale Gedanke der Numerologie, dass Buchstaben in Zahlen umgesetzt werden können. Und, wie anfangs schon erwähnt, findet die Kabbala auch im Tarot und in der Astrologie ihre Anwendung.

In einem nächsten Beitrag möchte ich die Sephiroth näher beschreiben… Ein spannendes Thema, dass uns wieder näher zur Esoterik bringt, als der geschichtliche Exkurs der letzten beiden Blogbeiträgen :-)

2 Reaktionen zu “Die Kabbala – Mittelalter bis heute”

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