Die kleinen Arkana II

Jedesmal wenn man eine Tarot Tageskarte zieht, nimmt man als erstes die bezaubernde Mystik des Dessins wahr. In der Tat verbirgt sich hinter der fesselnden Ästhetik der Motive weit mehr als man vermutet; eine Welt von beeindruckendem Wissen und faszinierender Überlieferung, die als Fundament dieses Werkzeugs der Schiksalsdeutung dient. Das Tarot verkörpert eine komplexe Verquickung unterschiedlichster Lehren der Esoterik. Es integriert z. B. außerdem verschiedene, teilweise sich widersprechende, Systeme der Numerologie. Ein im Tarot sehr häufig eingesetztes System basiert auf der kabbalistischen Interpretation der zehn Sephiroth (hebräisch für ‚Ziffer‘) des Baum des Lebens. Es handelt sich hier um die zehn göttlichen Emanationen (d.h. Aussendungen), die den Zahlkarten (1 bis 10) der kleinen Arkana zugewiesen werden. Die Interpretationen der Ziffern eins bis zehn kann man auch, metaphorisch gesehen, mit den Etappen des Häuserbaus von Idee und Disposition über Ausführung bis zur Vollendung, wie folgt, veranschaulichen.

1. Kether – die Krone. Bedeutet die Notwendigkeit des Geistes, sich zu öffnen und mitzuteilen. Auch Same, Wurzel, Essenz, Kern, diffuses Potential und der Gedanke, ein Haus zu errichten.

2. Chokmah – die Weisheit – „ho logos“ aus dem altgriechischen – „Am Anfang war das Wort“. Bedeutet einen Beginn und/od. eine Trennung, welche die Kommunikation ermöglicht und die Richtung weist. Auch die Eröffnung von Gesprächen um z.B. die Umsetzung eines Bauvorhabens zu initiieren. Ferner stellt Chokma Klugheit und Geschicklichkeit dar.

3. Binah – das Verstehen. Das Wort – das Logos – wurde gesprochen und muss nun verstanden werden. Es heißt auch Harmonie, Synthese, das erste Abstecken von Grenzen sowie Einigung über grundlegende Fragen (z.B. Größe, Preise, Termine…). Auch verkörpert Binah Einsicht, Verstand und Intelligenz.

4. Chesed – die Liebe. Bedeutet die erste Verwirklichung sowie die erste Erkennung von Grenzen. Auch Stabilität und Verdichtung. Hie kann man auch Unterredungen mit Banken, Behörden, Architekten verstehen. Ferner: Gnade, Treue und Gunst.

5. Geburah od. Gewurah – die Strenge. Die Erkenntnis der Stärke, insbesondere der eigenen. Auch die Macht der Zerstörung und die Kraft die zu Veränderungen bewegt. Aber auch erste Hindernisse (z.B. mit der Baugenehmigung) und deren eventuelle Überwindung. Bedeutet auch Macht, Sieg, Stärke und Gerechtigkeit.

6. Tiphareth – die Essenz. Der greifbare Plan bzw. die offenkundige und verstandene Wahrheit. Auch Selbst und Selbstbewusstsein sowie Harmonie. Bedeutet die Vollendung der Planung und die Grundsteinlegung. Auch Schönheit, Verherrlichung und Pracht.

7. Netzach – der Sieg. Die Diversifizierung von Aktivitäten durch Gefühle. Auch Kreativität, die damit unweigerlich verbundene Anarchie. Der eigentliche Beginn des Baus mit dem unvermeidlich resultierenden Chaos. Ferner: Beständigkeit, Ewigkeit, Ruhm, Sieg, Blut, Saft.

8. Hod – der Glanz. Die Differenzierung durch Gliederung und Einordnung. Auch der Einsatz von Logik, Verstand, Gerechtigkeit und Anpassung. Der Bau des Hauses verläuft ordentlich und zügig. Ferner: Donner und Majestät.

9. Yesod – das Fundament . Verkörpert die Grundlage aller augenfälligen Erscheinungen sowie die gedankliche Vollendung; Reflexion. Das Richtfest. Auch Grundlage, Gründung, Grund, Grundstein.

10 – Malkuth – das Königreich. Die Idee erlebt ihre Vollendung, ihre Verwirklichung. Der Abschluß einer Sache und der gleichzeitige Beginn einer neuen. Das Haus steht endlich fertig und erwartet den Umzug.

Unterschiedliche Deutungen ergeben sich aus den oben genannten Interpretationen der Zahlen in Verbindung mit den jeweiligen Elementen, die den einzelnen Farben – Schwerter, Kelche, Stäbe, Münzen – zugewiesen sind. Im nachfolgenden Blogbeitrag werde ich auf die einzelnen Karten eingehen.

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