Haben Haustiere auch Liebeskummer?

An das alte Lied von Siw Malmkvist „Liebeskummer lohnt sich nicht“ musste ich in der letzten Zeit häufig denken. Wenn es für Menschen einen Himmel gibt, gibt es das dann auch für unsere Haustiere? Ich hoffe sehr, denn meine beiden Kanarienvögel haben kurz nach meinem Umzug beide das Zeitliche gesegnet.

Zunächst war ich mit dem weiblichen Vogel Anfang Juli beim Tierarzt, weil ich mir Sorgen um ihre Gesundheit machte. Außer Kalkfüße, eine viel vorkommende Erkrankung bei Kanarien, konnte der Tierarzt nichts feststellen. Er gab mir eine Salbe mit um die Füßchen täglich einreiben zu können und ich sollte nach 10 Tagen noch mal mit ihr vorstellig werden. Dass es sich bei diesem Vogel nicht um ein Männchen handelte, war mir erst klar geworden, nachdem sie im Sommer vor 2 Jahren vier unbefruchtete Eier gelegt hatte. Beim Kauf hatte mir das Haustiergeschäft versprochen, ich habe eine Gesangsgarantie, denn ich könne den Vogel zurückbringen, wenn er nicht innerhalb von 6 Wochen singen würde. Das tat er nicht, denn Weibchen singen nun einmal nicht wie die Männchen. Nur, wer tauscht schon sein Haustier ein, egal wie groß oder klein? Mir war klar, was mit dem armen Vogel geschehen würde, wenn ich auf meine „Gesangsgarantie“ bestehen würde….

Nachdem ich ihre Kalkfüße behandelt hatte, bekam der Vogel andere Beschwerden. Montagsabends sah ich, dass sie Schwierigkeiten hatte, sich auf der Sitzstange fest zu halten und fiel jedes Mal um. Abends um halb 9 war natürlich kein Tierarzt mehr zu erreichen und so habe ich mich an einen Nachbarn gewandt, von dem ich aus Erzählungen wusste, dass er selber Wellensittiche und Kanarien züchtet. Er kam zu mir in die Wohnung, untersuchte den Vogel und stellte mehrere Geschwülste fest, am Bauch und auch an den Füßen.

Um den Vogel nicht länger leiden zu lassen, empfahl er mir, ihn sanft einschlafen zu lassen. Ich war darüber natürlich sehr traurig und fürchtete die Reaktion von meinem männlichen Kanarienvogel, denn beide verstanden sich prächtig. Nachdem ich spät abends den toten Vogel im Garten begraben hatte, kam am nächsten Tag ein neu gekaufter Vogel in den Käfig, auch ein Weibchen. Das Männchen hatte so seine Schwierigkeiten, den neuen „Kumpel“ zu akzeptieren und schaute mich anfänglich mehrmals fragend an „wo ist meine Freundin?“

8 Tage später muss er verstanden haben, dass seine Freundin nicht zurückkommt. Er schaute mich abends aus halb verschlossenen Augen an und mir schwante nichts Gutes. Am Morgen darauf lag er tot im Käfig. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass er jetzt für immer bei seiner Freundin ist. Auch ihn habe ich im Garten begraben, in unmittelbarer Nähe von dem anderen Vogel.

Der Tierarzt sagt, Lizard-Kanarien würden nicht alt, weil man sie überzüchtet hat; der Nachbar meint, der Tod könne viele Ursachen haben. Ich glaube jedoch, dass er zu einem großen Teil an Liebeskummer gestorben ist. Man kennt das ja von Schwänen, sie bleiben ein Leben lang zusammen. Wenn meine beiden Kanarien wieder zusammen sind, wünsche ich mir, dass sie beide viel Spaß haben und so ab und zu noch mal an ihr Frauchen denken………

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