Helden der Nation

Wie ich es in diesem Blog erwähnt habe, war ich im Juli in der Bretagne in Urlaub. Eigentlich dachte ich, ich würde dort einen ruhigen Urlaub verbringen – vor allem bei meinen Eltern an der Südküste des Départements Finistère.

Doch kam es anders. Zwei Tage vor meiner Abreise bin ich mit meinem Vater an der Küste spazieren gegangen mit dem Ziel, ein paar schöne Fotos zu knipsen. Als wir an einem kleinen Strand ankamen, merkte mein Vater auf einmal, dass einige Patronen zwischen den Felsen zerstreut lagen. Nach einigen Minuten hatten wir sogar 6 Stück gefunden.
Sofort sind wir zur Gendarmerie gefahren, um diesen Fund zu melden. Denn diese Patronen waren noch vollständig und die Gefahr war ja groß, dass Kinder sich beim Spielen verletzen könnten.

Am nächsten Tag waren wir mit 4 Gendarmes am Fundort verabredet, damit diese die Felsen mit einem Minensuchgerät überprüfen. Und wieder fanden wir unzählige Patronen. Einer der Gendarmes sagte uns, es seien alte Patronen, zum Teil amerikanische.
Da die Suche etwas mehr Zeit in Anspruch nahm als ursprünglich geplant, haben mein Vater und ich den Strand verlassen und die Gendarmes weiter suchen lassen – wir waren froh, dass dieser Strand – bei Touristen sehr beliebt – nun “gesäubert” wird :-)

Für mich war die Geschichte eigentlich zu Ende. Aber nein! Zwei Tage später, als ich in Dinan war, fand ich in der Zeitung folgende Artikelüberschrift: Une plage de Beg Meil fermée pour déminage (Ein Strand in Beg Meil wird wegen Minenräumung geschlossen). Da war ich aber platt! Im Artikel erfahre ich dann, dass nicht nur Patronen sondern auch vier Bomben gefunden wurden. In der Tat, als die Gendarmes den Strand untersucht haben, sind sie auf diese Bomben aus dem Zweiten Weltkrieges gestoßen. Drei davon wurden ins Meer transportiert und dort gesprengt, einer war in den Felsen so verkeilt, dass der kleine Urlaubsort Beg Meil geräumt werden musste, damit die vierte Bombe gesprengt werden konnte. Vermutlich wurden sie in den letzten 60 Jahren langsam aber sicher durch die starken Meeresströmungen ans Land geschoben – deshalb kamen sie erst jetzt zum Vorschein.

Einziger Kommentar von meinem Vater war: “Nun ist es klar, dass wir Helden der Nation sind. Wir haben das Leben unzähliger Touristen gerettet. Nächstes Jahr zum 14. Juli werden wir vom Staatspräsidenten zum Garden Party im Elysée-Palast bestimmt eingeladen” :-)

Ob es so wird, steht noch in den Sternen… :-)

3 Reaktionen zu “Helden der Nation”

  1. Christian

    Ein wenig wundere ich mich, warum der “omnipresente Herr” nicht in der Zeitung abgebildet war, der die Räumung und Sprengung persönlich überwacht und begutachtet. :-)

  2. Alain

    Im Artikel wird nur mein Vater als “Spaziergänger” erwähnt – ich aber nicht! Unverschämt, oder? Und auf dem Bild sind nur die Gendarmes zu sehen… Auch unverschämt, oder? :-)

  3. Christian

    Hast Du was anderes von Deinen Landsmännern erwartet? :-) Ich nicht. In einem Land mit einem “Nikolaus” an der Spitze … halte ich so einiges für möglich.

Einen Kommentar schreiben