Kinder, wie die Zeit vergeht….
An die große Katastrophe von Ramstein musste ich neulich denken, als in den Medien berichtet wurde über den Absturz der SpanAir Maschine auf dem Flughafen von Madrid.
Bei den Chinesen ist die Zahl 8 ein wahrer Glücksbringer. Deswegen freuten sie sich so sehr über die Tatsache, dass die Olympischen Sommerspiele am 8.8.2008 bei ihnen angefangen haben.
Während einer Flugschau auf der amerikanischen Luftwaffenbasis Ramstein stießen drei italienische Kampfjets zusammen, als sie zum Höhepunkt der Flugschau eine Sonderformation namens „das durchstoßene Herz“ fliegen wollten. Ein Jet kollidierte mit einer anderen Maschine, die im Sturz dann noch eine weitere mit sich riss.
Dies geschah am 28. August 1988, also vor zwanzig Jahren. Durch die beim Absturz verursachte hohe Temperatur explodierte das Kerosin eines Jets im Publikum und hinterließ eine Spur von toten und verletzten Zuschauern. Unmittelbar nach der Katastrophe gab es 31 Tote, von den weit über tausend Verletzten erlagen 36 ihren schwersten Verbrennungen. Viele Todesopfer sind zerschmolzen. Wenn man eine 2000 Grad heiße Luft einatmet, zerreißen die Lungen.
Die Rettungsaktionen unmittelbar nach der Flugkatastrophe verliefen völlig unkoordiniert. Amerikanische Angestellte verweigerten zunächst deutschen Hilfskräften die Anfahrt zum Airport, weil sie befürchteten, den Überblick zu verlieren. Sie wollten Tote und Verletzte so schnell wie möglich weg von ihrem Stützpunkt bekommen. Man sollte wissen, dass zu diesem Zeitpunkt Nuklearsprengköpfe in Ramstein gelagert waren, also galt hier die höchste Sicherheitsstufe.
Die Toten wurden auf Tiefladern abtransportiert, das Telefonnetz brach zusammen. Die Verständigung zwischen den Einsatzkräften wurde durch Hobbyfunker übernommen. Verletzte wurden zu Flugzeugen getragen, die ohnehin längst voller weiterer Opfer waren. Sie wurden über Krankenhäuser der ganzen Region Oberpfalz verteilt, so dass mehrere Familien wochenlang nicht vom Überleben oder Sterben ihrer nächsten Angehörigen wussten.
Die Spätfolgen für die Opfer sind auch 20 Jahre nach der Katastrophe spürbar: manch einer bekommt eine Panik-Attacke, wenn sie den Benzingeruch von Nachbars Rasenmäher wahrnehmen. Während man äußere Brandverletzungen dank modernster Medizin und plastischer Chirurgie sehr gut behandeln kann, sitzen die seelischen Verletzungen viel tiefer und müssen mühsam aufgearbeitet werden.
Auf dem Gelände der Basis Ramstein gibt es zwei Gedenksteine, eine außerhalb der Basis (die Opfer mussten sich das mit ihrem eigenen Geld kaufen!) und eine auf amerikanischem Boden. Eine finanzielle, abschließende Entschädigung hat es für die Opfer nicht gegeben, denn Ramstein ist ein schwieriger, juristischer Fall: es handelte sich um italienische Flugzeuge, die sich auf einer amerikanischen Basis auf deutschem Gelände befand. Man zweifelte, welches Gesetz hier greifen müsste.
