Tag der Höflichkeit

Dass die Franzosen unzählige Eigenarten besitzen, ist weltweit bekannt – und die Welt schätzt es! Der Beweis? Seit fast 10 Jahren ist Frankreich Jahr für Jahr Urlaubsziel Nr. 1 weltweit.

Heute morgen habe ich in den französischen Radio-Nachrichten eine Meldung gehört, die meiner Meinung nach zu den Top-Eigenarten der Franzosen einzuordnen ist! Denn heute ist in Frankreich der “Jour de la courtoisie au volant” (= Tag der Höflichkeit am Steuer). Einen Tag lang sollen die frz. Autofahrer statt schimpfen und “böse” Handbewegungen machen andere Verkehrsteilnehmer höflich behandeln. Ist das nicht der Hammer?! Ich stelle mich nun z. B. die Place de la Concorde in Paris (wohlgemerkt der gefährlichste Platz Frankreichs für Fußgänger – und Concorde heißt ja Eintracht!!! Wieder ein Widerspruch à la française!) vor, wie die einen Autofahrer die anderen begrüßen und freundlich anlächeln…

Dass Franzosen keine guten Autofahrer sind, muß ich als Franzose selbst auch zugeben. Vielleicht liegt es daran, dass der Franzose an sich ein absoluter Individualist ist – und wenn er unterwegs ist, denkt er, sämtliche Strassen Frankreichs gehören ihm allein. Dass es zu Dellen und Zusammenstößen kommt, ist es unvermeidbar und wird einfach so angenommen.
Fußgänger haben’s in Frankreich auch schwer, denn Zebrastreifen werden weder von den Autofahrern noch von Fußgängern berücksichtigt oder gar wahrgenommen. Wenn ein Fußgänger über die Strasse gehen möchte und keine Top-Kondition wie eine Gemse hat, bleibt er für den Rest seines Lebens auf der selben Straßenseite! Vielleicht ist es neben der mediterrane Küche auch ein Grund, warum Franzosen eher schlank sind…

Verkehrsschilder werden eigentlich oft als lustige Strassendekoration angesehen… Entlang der frz. Autobahnen gibt es ja viel mehr Schilder, die den Verkehrsteilnehmern auf irgendeine Sehenswürdigkeit hinweisen (Franzosen sind ja stolz auf ihre Kultur und zeigen es, wo sie können!) als “richtige” Verkehrsschilder.

Heute morgen mußte ich an meine erste Fahrstunde denken, insbesondere an den ersten Satz meiner Fahrlehrerin: “Beim Autofahren ist alles erlaubt außer in zwei Fällen. Erstens es ist lebensgefährlich und zweitens die Polizei sieht es”. Na dann, gute Fahrt!

Jetzt seid ihr bestimmt total erschocken und habt es geschworen, ab jetzt die Herausforderung “Autofahren in Frankreich” nicht anzunehmen! Keine Panik! Denn seit 30 Jahren verbessert sich jährlich die Situation – die Regierung hat den Kampf gegen das National-Gemetzel angesagt und heutzutage sehen die Zahlen im Vergleich zu anderen EU-Ländern akzeptabel aus. Hier eine kleine Statistik über die Zahl der Toten pro 1 Mio. Einwohner:
Frankreich (138), Großbritanien, Schweden, Niederlande (70), Deutschland (90), Italien (110), Spanien, Belgien (140), Luxemburg (174) und Portugal, Griechenland (210). In der Numerologie entspricht die Zahl 138 die Zahl 3 (Trinität, Versöhnung der Gegensätze, Jupiter, Führungspersönlichkeit) – Paßt doch zu Frankreich, oder? :-)

Vielleicht hier ein kleiner Hinweis vor Eurer nächsten Frankreich-Reise: Wer glaubt, er könne sonntags Vormittag auf Frankreichs Straßen ruhig fahren, wird feststellen müssen, dass es eine andere gefährliche Spezie gibt: Der französiche Radfahrer!!! Denn jeden Sonntag verwandelt sich die Grande Nation zu einer einzigen Etappe der Tour de France – und jeder Radfahrer saust durch die Gegend, als wäre jede Straße extra für ihn abgeriegelt. Letztes Jahr haben Christian und ich diese Erfahrung ja gemacht, als ein Radfahrer plötzlich vor uns links abbiegen wollte. Zum Glück ist nichts passiert außer ein großer Schreck!

Trotz allem bleibt Frankreich ein sehr beliebtes Urlaubsland! Bienvenue… et bonne chance und genießt die französische Courtoisie!

3 Reaktionen zu “Tag der Höflichkeit”

  1. joerg

    Einmal hatte ich das vergnügen den Verkehr in Paris bestaunen zu dürfen. Ich muß sagen, selbst mit jahrelanger Crashcar Erfahrung würde ich mich da nicht rein trauen :-)

  2. Alain

    Habe ich schon erwähnt, dass ich in Paris sehr gerne Auto fahre? Es liegt vielleicht daran, dass ich zum Teil meine Fahrstunden dort gemacht habe… Wo ich sonst gerne Auto fahre: London und Lagos (Nigeria).

  3. Jordi

    Je südlicher du fährst desto spannender ist die Abenteurer ;)

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