Was nun, Belgien?

Heute seit 109 Tagen ist unser Nachbarland Belgien ohne Regierung. Was bei uns unvorstellbar ist, scheint im Königsreich eher normal zu sein. Schon einmal dauerte die Regierungsbildung 140 Tage. Also, heute mit 109 Tagen ist Belgien noch im Zeitrahmen :-)

Diesmal aber spitzt sich die politische Krise zu. Grund dafür ist die Frage des Zusammenhalts zwischen den Regionen. Belgien, mit einer Gesamtfläche von 30.000 Km2 (NRW ist 34.000 Km2 groß…), besteht aus drei Regionen: die Wallonische Region, die flämische Region und die Brüsseler Region. Während in der ersten Französisch gesprochen wird, wird in der zweiten Flämisch gesprochen. Brüssel, als Hauptstadt ist offiziel zweisprachig (ca. 80& Französisch / 20% Flämisch).
Neben den Regionen soll man natürlich auch die drei Gemeinschaften beachten: Die Wallonische, die Flämische und die Deutschsprachige. Somit ist das kleine Königsreich offiziell dreisprachig, wobei die deutsche Gemeinschaft im Osten des Landes zur Wallonischen Region gehört.

Alles klar? :-) Eben nicht. Deshalb die aktuelle politische Krise. Denn die Flämische Gemeinschaft sieht sich zuerst als Flämisch vor belgisch, die Wallonen als französischsprechende Belgier, die den Blick mehr auf Frankreich gewandt haben. Wie kann also die Einheit des Landes weiter bestehen, wenn es so gesplittert ist? Die Flämische Gemeinschaft möchte nun in die Unabhängigkeit gehen, damit sie das ärmere Wallonien finanziell nicht mehr unterstützt. Die Wallonen wollen weiter als Belgier bleiben. Sie streben aber oft den Wunsch, sollte die Flämische Region unabhängig werden, die 23. Region Frankreichs zu werden. Und die deutschsprachige Minderheit?… Zurück nach Deutschland? Weiter zu Wallonien gehören mit dem Risiko, dass Frankreich dann im Falle eines Zusammenschlusses offiziell deutschsprachige Bürger bekommt? Wir haben ja schon Elsässer, Bretonen, Korsen, Provenzalen, Basken! :-)

Diese Krise weckt die wildesten Spekulationen über dieses kleine Land, die ich in der wallonischen Presse verfolge. Der Blick der französischen Bloggergemeinschaft über diese belgische Krise finde ich zum Teil auch witzig: Ein Blogger schrieb vor kurzem, Frankreich solle Wallonien und Brüssel bekommen und Brüssel als die neue Hauptstadt Frankreichs erklären. So hätten die Pariser Machthaber keine Bedeutung mehr (super Lösung für den Fall von Monsieur S.! :-) und Frankreich würde weiterhin seinen Glanz behalten, indem die neue französische Hauptstadt gleichzeitig die Hauptstadt der EU wäre. Vive la encore plus grande nation?!? :-)

Und heute morgen das noch: Der belgische König muss aus gesundheitlichen Gründen seine Aktivitäten etwas einschränken!!! Was passiert dann, wenn die Figur, die die Einheit Belgiens verkörpert, auf einmal seine Rolle nicht mehr spielen kann? Soll sein Sohn die Affären übernehmen?

Auf jeden Fall bleibt es spannend! Und wie es ausgehen wird, kann offentsichtlich keiner noch vorhersagen.

Eine Reaktion zu “Was nun, Belgien?”

  1. Lisa

    Danke für die Erwâhnung der Minderheit in Belgien wo ich lebe ;) DG

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